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Man muss nie verzweifeln

Man muss nie verzweifeln, wenn einem etwas verloren geht,
ein Mensch oder eine Freude oder ein Glück;
es kommt alles noch herrlicher wieder.

Was abfallen muss, fällt ab;
was zu uns gehört, bleibt bei uns,
denn es geht alles nach Gesetzen vor sich,
die größer als unsere Einsicht sind
und mit denen wir nur scheinbar im Widerspruch stehen.

Man muss in sich selber leben und an das ganze Leben denken,
an alle seine Millionen Möglichkeiten, Weiten und Zukünfte,
dem gegenüber es nichts Vergangenes und Verlorenes gibt.

Rainer Maria Rilke

Bildnachweis: Adobe Stock #1074848806 von Cristina Conti

Keine Zeit für grüne Bananen

„Was soll das denn bedeuten?“, fragt man sich, wenn man diese Redewendung zum ersten Mal hört.

Eigentlich ganz einfach – und doch versteckt sich hier eine enorm wichtige Botschaft für das eigene Leben.

Grüne Bananen brauchen Zeit. Wer keine Zeit für grüne Bananen hat, wartet eben nicht, bis sie irgendwann reif sind – verschiebt also das Leben nicht auf später. Manche verbringen Jahre damit, auf ein Morgen zu hoffen, das ihren Vorstellungen entspricht, während das Leben doch längst läuft und in jedem Moment stattfindet. Wir sollten uns öfter mal fragen: Worauf warte ich eigentlich? Auf den richtigen Zeitpunkt? Auf mehr Sicherheit? Auf bessere Umstände?

Das Leben ist kein unbegrenzter Vorrat. Und diese Erkenntnis sollte uns wachrütteln. Sie fordert uns auf, mutiger zu entscheiden, ehrlicher zu lieben, Versöhnung nicht aufzuschieben und den Dingen Raum zu geben, die wirklich wichtig sind. Nicht erst irgendwann glücklich zu sein. Nicht erst irgendwann Zeit für Familie, Freunde oder Herzenswünsche zu finden. Nicht erst irgendwann den ersten Schritt zu wagen.

„Keine Zeit für grüne Bananen“ erinnert uns jeden Tag daran, unser Leben jetzt zu leben!

Bildnachweis: Adobe Stock #1255802087 von Resni AI

So sein lassen – oder was können wir kontrollieren?

Da sind Blattläuse auf Ihrer Lieblingspflanze im Garten? Das darf ja wohl nicht wahr sein! Gleich gegoogelt, was nun als Bestes zu tun sei, und dann mit der Schmierseifenlösung in der Sprühflasche raus, um den Läusen den Garaus zu machen.

Kennen Sie das? Wir Menschen denken, wir hätten alles unter Kontrolle und könnten die Ereignisse um uns herum steuern oder regulieren. Sogar bei solch ganz natürlichen Vorgängen mischen wir uns ein: mit Schmierseife oder heftigen Pflanzenschutzmitteln. Dabei reguliert sich vieles in der Natur ganz von selbst. Vermutlich hat schon am nächsten Morgen die Blaumeise die Läuse gefressen oder der Marienkäfer. Die Pflanze berappelt sich wieder, ihre Abwehrkräfte wurden sogar durch den Befall gestärkt – so wie bei uns nach einem Schnupfen. Und das alles ganz ohne Schmierseife.

Im Laufe unseres Lebens lernen wir nach und nach, dass wir die meisten Geschehnisse um uns herum nicht beeinflussen können oder unter Kontrolle haben – schon gar nicht die Natur! Wenn wir versuchen, das zu akzeptieren, können wir uns im „so sein lassen“ üben. Vielleicht machen wir dann die Erfahrung, dass es guttut, manchen Dingen einfach ihren Lauf zu lassen. Auch der Laus. Das Gras wächst, der Vogel fliegt, die Sonne geht wieder auf – das meiste auf diesem Planeten geschieht ohne unser Zutun.

Bildnachweis: Adobe Stock #1999299613 von photoplotnikov